Streit um Kurilen Inseln.

 "Kurilen - der russsische Feuerring"

Japan nimmt Kurilen erneut ins Visier: „Situation ist komplizierter geworden“

15:17 16.02.2016


Der russische Außenminister Sergej Lawrow will bald Japan besuchen. Die Regierung in Tokio hofft auf einen Durchbruch im Streit um die Kurilen-Inseln. Russische Experten sind jedoch skeptisch.

 
 
Der russische Japan-Experte Vitali Schwydko sagte am Dienstag im Radiosender Kommersant FM, das Thema Kurilen sei bei Lawrows Japan-Besuch kaum zu vermeiden. Aber auch Fortschritte bei der Suche nach einem Kompromiss seien wenig wahrscheinlich: „Seit einem Jahr ist die Situation in dieser Hinsicht komplizierter geworden. Moskaus Konflikt mit dem Westen und mit den USA erschwert mögliche Schritte, die Japan den Russen entgegenkommen könnte.“
 
 
Lawrows Besuch soll im April stattfinden. Der japanische Außenminister Fumio Kishida kündigte in der laufenden Woche an, er wolle mit seinem russischen Amtskollegen „die ganze Palette“ der bilateralen Beziehungen einschließlich des Kurilen-Problems besprechen. Japan beansprucht vier Kurilen-Inseln, die seit dem Zweiten Weltkrieg zu Russland gehören. Wegen dieses Streites bleibt ein Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern bislang aus.
 

Die Tageszeitung „Wedomosti“ zitiert am Dienstag den russischen Fernost-Experten Valeri Kistanow mit den Worten: „Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe baut auf Wladimir Putin. Dieser hatte ja im Jahr 2012 die Bereitschaft zur Suche nach einer Lösung bekräftigt. Putin sagte damals, man müsse ein Remis anstreben. Seitdem zerbrechen alle sich den Kopf darüber, was dieses Remis bedeuten könnte.“
 
Kistanow kommentierte, Abe habe seine Bemühungen um eine Regelung mit Russland intensiviert. Damit wolle der japanische Premier in seinem außenpolitischen Spiel punkten. Regional befinde sich Japan in der Isolation, und zwar wegen seiner Gebietsstreite mit China und Südkorea. Im Falle einer Vereinbarung mit Moskau könnte Tokio den Nachbarstaaten seine Kompromissfähigkeit demonstrieren.
 
Kistanow äußerte weiter, eine Verbesserung der Beziehungen mit Moskau habe für Tokio auch eine militärische Dimension. Denn der Kreml sei in der Lage, Nordkorea unter Druck zu setzen, dessen Aufrüstung die Japaner beunruhige. Außerdem sei Japan besorgt über Russlands Kooperation mit China.
 
 
Wie der russische Auslandsexperte Wladimir Jewsejew dem Blatt sagte, sind auch die eigentlichen Kurilen-Inseln von militärischer Bedeutung: Falls dort neue Militäranlagen entstehen, könnten sie die Konstellation in der Region verändern; außerdem ließe sich von dort aus die Fortbewegung russischer U-Boote verfolgen. „Wovon Japan auch träumen mag, niemand gibt ihm diese vier Inseln zurück. Darüber hinaus ist Japan bei politischen Entscheidungen nicht unabhängig. Es wäre deshalb nicht zu erwarten, dass Tokio beispielsweise seine Sanktionen gegen Russland unilateral aufgibt oder etwas den USA zuwider tut“, so Jewsejew.
 
 
Im Hinblick auf das Problem Nordkorea erwägt Japan Medienberichten zufolge eine Stationierung von US-Raketenabwehrsystemen. Wie soll Russland darauf reagieren? Pjotr Topytschkanow vom Carnegie Moscow Center erwartet keine Zuspitzung. Er erläuterte, Japan kooperiere ohnehin mit den USA in Sachen Raketenabwehr. Der russische Außenminister werde sich in Tokio offenbar auf allgemeine Worte über die internationale Sicherheit beschränken. Die Wahrscheinlichkeit konkreter Erklärungen gegen mögliche neue Komponenten der US-Raketenabwehr sei vorerst eher niedrig, prognostizierte Topytschkanow in einem Gespräch mit Kommersant FM.