Mutmaßlicher Mörder des russischen Piloten in Türkei festgenommen

Alpaslan Celik (Mitte), Vize-Kommandeur der Syrischen Turkmenenbrigade, zeigt Fallschirmteile des erschossenen russischen Piloten (Archiv))

Su-24-Abschuss: Mutmaßlicher Mörder des russischen Piloten in Türkei festgenommen

Türkei   16:18 31.03.2016
 

 
 
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vermeintlicher Turkmene
24:00
Noch ein Blick in die Türkei: dort wurden heute zwei Journalisten verhaftet, weil sie über Waffentransporte aus der Türkei an Islamisten in Syrien berichteten. Es handelt sich um den Chefredakteur der Zeitung “Cumhuriyet” und den Hauptstadtkorrespondenten.

In der Pressekonferenz mit Hollande heute nachmittag hat Putin erstmals ausgesprochen, dass die Türkei das von Daesh geschmuggelte Öl verkauft. Wie erwartet werden jetzt also die Informationen zur Finanzierung von Daesh Stück für Stück an die Öffentlichkeit gebracht.

Bundesdeutsche Medien greifen das Thema aber nicht auf. Auch wenn sich die Informationen zur Verwicklung des Erdogan-Sohnes Bilal Erdogan in diesem Zusammenhang verdichten; Zero Hedge hat für die nächsten Tage ausführliche Daten zu seinen Unternehmen angekündigt.

Diese Frage wird also so geklärt, wie das mit schwierigen Fragen in letzter Zeit meistens der Fall ist – durch Verschweigen. Nur die “Liberation” in Frankreich sticht heraus. Sie attackierte ein Foto, das Bilal Erdogan mit Daesh-Funktionären zeigen soll, und schrieb, es handle sich um zwei Besitzer eines Restaurants in Istanbul, das auf Leber spezialisiert sei… Die entscheidende Frage, ob B. Erdogan Geschäfte mit gestohlenem Öl macht, wurde wohlweislich ausgeklammert.

Die Billigung der USA setzt auch Ischtschenko in seiner Analyse voraus. Er amüsiert sich über die türkische Behauptung, man habe nicht gewusst, um wessen Flugzeug es sich handelt: “Die Piloten wussten nicht, wen sie abgeschossen hatten, und der türkische Generalstab berichtete sofort, ein russischer Bomber sei abgeschossen worden. Der Premierminister wurde informiert, man würde ein unbekanntes Flugzeug abschießen – und erteilt sofort seine Zustimmung, in einer Region, in der Flugzeuge Russlands, der USA, Frankreichs und sogar Kanadas unterwegs sind. Nur keine Flugzeuge von ISIS. Vor allem, der Start der Kampfflugzeuge, zehn Warnungen und die Erteilung der Genehmigung durch den Premierminister, das Flugzeug abzuschießen, schafften die Türken, nach Erdogan, in nicht mehr als 17 Sekunden.” Er schreibt, Erdogan sei zwar spontan zu Fehlentscheidungen durchaus in der Lage. Der Abschuss sei aber keine “Handlung aus Leidenschaft gewesen. Es war ein kaltblütig bedachter und geplanter Mord.”

“Ankara, wie Tiflis 2008, verließ sich auf den Schutz der USA und der NATO. Die Türken standen dabei auf stabilerem Grund als die Georgier – schließlich ist die Türkei NATO-Mitglied. Aber das Ergebnis war das gleiche. Die USA gingen fort und gaben vor, unschuldig zu sein. (…) Erdogan wurde in die Falle gelockt. Er wurde überredet, die russischen Truppen angzugreifen (einen unprovozierten Akt der Aggression zu begehen und damit einen Grund für eine militärische Antwort zu liefern) und wurde mit dem Schicksal alleingelassen.” Die USA hätten dabei keinen spontanen Konflikt zwischen der Türkei und Russland erwartet. “Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass sie darauf hofften, dass die EU und die NATO durch die unbeholfenen türkischen Lügen beeindruckt würden und herbeieilten, um Ankara vor Moskau zu retten.”

Allerdings hätte Washington Pläne mit den Kurden, die den Interessen Ankaras entgegenliefen. Und es wäre nützlich, wenn die Gegner Erdogans sich jetzt an Russland um Unterstützung wenden könnten.

Russland sieht er hier in einer schwierigen Lage, weil weder eine Destabilisierung der Türkei noch ihre Umwandlung in eine Filiale von Daesh im russischen Interesse läge.

Erdogan sei aber, wie Poroschenko, darauf angewiesen, auf einen Krieg zuzusteuern: “Das ist für ihn extrem riskand, aber ertragreich. So wie es für Poroschenko die riskante, aber einzige Lösung ist, den Krieg im Donbass wieder aufzunehmen. Wenn Erdogan und Poroschenko im Stande sind, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, dann wird der US-amerikanische Traum Wirklichkeit – Russland stünde der Aussicht gegenüber, gleichzeitig in einen bewaffneten Konflikt mit der Ukraine und mit NATO-Ländern gezogen zu werden.”

Allerdings könnte es durchaus sein, dass sich Erdogan zu viel von seinen Herrn erhofft. “Die USA bieten an, mehr und mehr ihrer Verbündeten zu opfern. Früher oder später werden sie ein Opfer bringen müssen.”